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FAQ - Häufig gestellte Fragen

Braucht mein Kind jetzt Therapie?

Wenn Kinder sexuelle Gewalt erleben, werden sie vor allem seelisch, manchmal auch körperlich verletzt. Wie tief greifend diese Verletzungen sind, hängt zum einen von der Art und dem Ausmaß der Übergriffe ab und zum anderen davon, ob den Mädchen und Jungen bei einer Schilderung solcher Gewalterlebnisse geglaubt wird. Die internationale Forschung belegt eindeutig, dass es für die Heilungschancen der betroffenen Kinder und Jugendlichen maßgeblich ist, ob sich ihre Mütter und Väter oder wichtige Bezugspersonen schützend auf ihre Seite stellen und ihnen glauben1. Seelische Verletzungen durch sexuelle Gewalt können ebenso heilen wie körperliche Verletzungen. Kleinere Kratzer und Schrammen bedürfen hierzu keiner speziellen Behandlung. So klingen auch Symptome nach leichten seelischen Verletzungen von selbst ab. Übertragen auf eine körperliche Verletzung wie etwa einen Knochenbruch, der notwendigerweise vom Arzt gerichtet und gegipst wird, um richtig zusammenzuwachsen, müssen auch seelische Verletzungen bei einem gewissen Schweregrad der Wunde professionell behandelt werden, um eine Heilung zu sichern. Nehmen Sie hierfür Kontakt mit uns auf, um abzuklären, ob Ihr Kind therapeutische Hilfe braucht.

Die eigene Tochter/den eigenen Sohn auf dem oftmals schwierigen Weg der Bewältigung zu begleiten, kostet Mütter und Väter unendlich viel Kraft. Da Eltern oder andere Bezugspersonen wichtige BegleiterInnen auf dem Weg der Heilung sind, ist es unerlässlich, die Mütter und Väter in die Beratung und/oder Therapie mit einzubeziehen, um neben den internen auch die externen Bewältigungsressourcen der Kinder und Jugendlichen zu stärken2. So bedürfen Eltern und Bezugspersonen für sich selbst Beratung und Unterstützung in der Form, wie sie ihrem Kind am besten zur Seite stehen und mit ihren eigenen Verhaltensunsicherheiten umgehen können. (für Eltern & Bezugspersonen - Elternkurs)

Hilft Reden denn überhaupt?

Mit Reden ist nicht gemeint, alle Details der sexuellen Gewalthandlung ausführlich zu schildern. Gesprächsgegenstand sind Handlungsabläufe vor und nach der eigentlichen sexuellen Gewalterfahrung, wie z.B. der Zeitpunkt oder der Ort, an dem es passiert ist.

Sie entscheiden selbst, was und worüber gesprochen wird!

BeraterInnen können helfen, Gefühle über die Gewalterlebnisse auszudrücken und somit die eigenen Gefühle und die körperlichen Reaktionen nach dem traumatischen Ereignis auch zu verstehen. Gemeinsam können Stärken entdeckt werden, damit Sie Ihren Blick wieder nach vorn richten können. Es tut gut, sich jemandem anzuvertrauen und Unterstützung zu erfahren. Das strukturierte Besprechen von Problemen kann tatsächlich allein für sich schon hilfreich sein. Während einer Beratung muss auch nicht immer nur geredet werden. Es gibt viele Methoden und so genannte Stabilisierungs- und Distanzierungsübungen, die hier in der Beratung erlernt werden können, um unangenehme Gefühle wie Angst, Wut, Panik und Stress besser in den Griff zu bekommen. Es können neue Lösungsmöglichkeiten und veränderte Perspektiven erarbeitet werden. Dazu gehört auch, sich aktiv zu beteiligen und neue Verhaltensweisen und Übungen auszuprobieren.

Mein Kind will einfach nicht darüber reden, aber nur so wird es doch verarbeitet, oder?

Das Erleben von sexueller Gewalt der eigenen Tochter/des eigenen Sohnes wirft häufig viele Fragen auf Seiten der Bezugspersonen auf. Eltern würden gern wissen, was genau ihrem Kind widerfahren ist, um so eine bestmögliche Unterstützung anzubieten. Viele der Betroffenen möchten jedoch nicht ausführlich über das Erlebte reden. Andere wiederum möchten niemals über das sprechen, was ihnen passiert ist. Sexuelle Gewalterlebnisse sind meist mit starken Gefühlen von Angst und Scham verbunden. Für viele ist es eine große Belastung, mit den Geschehnissen konfrontiert zu werden3. Unter Umständen kann ein intensives Erinnern dazu führen, dass das Kind von quälenden Erinnerungsbildern überwältigt wird oder sich Traumafolgen (z.B. Alpträume) verstärken. Das sollte in jedem Fall vermieden werden.

Was hilft statt dessen?

Sollten Sie den Impuls verspüren, Details über die Erlebnisse Ihres Kindes zu erfahren, fragen Sie sich bitte, warum Ihnen dieses Wissen so wichtig erscheint. Kindern, die sexuelle Gewalt erfahren haben, hilft es, wenn sie sich angenommen und verstanden fühlen. Sie müssen das Gefühl haben, dass ihnen geglaubt wird. Wenn Ihr Kind nichts Näheres zu den Erlebnissen sagen möchte, weil es „unaussprechlich“ ist, oder nicht die richtigen Worte dafür gefunden werden können, machen Sie deutlich, dass Sie diese Entscheidung akzeptieren. Haben Sie in einer Beratungsstelle Unterstützung gesucht, überlegen Sie vielleicht mit Ihrer Beraterin gemeinsam, wie Sie mit Ihrem Kind nach Wegen suchen können, um das Schreckliche zum Ausdruck zu bringen. Neben Gesprächsangeboten könnten Sie es beispielsweise anregen, kreative Ausdrucksweisen wie Malen, Schreiben oder Musik für sich zu nutzen. Vielleicht gibt es später einen Zeitpunkt, an dem die Gewalterfahrungen auch besprochen werden können. Auch dazu steht Ihnen die Beratungsstelle gern zur Seite. Wünschen Sie sich für Ihr Kind professionelle Begleitung beim Verarbeiten der traumatischen Erlebnisse, eignet sich vielleicht eine spieltherapeutische Begleitung. Ihr Kind kann auf diese kindgerechte Weise Problematiken und innere Konflikte ausdrücken und passende Lösungen für sich finden.

Was kann ich tun, um meiner Tochter/meinem Sohn zu helfen?

Wenn bekannt wird, dass das eigene Kind sexuelle Gewalterfahrungen machen musste, ist das für die Eltern meist ein großer Schock. Sie fühlen sich hilflos und nicht selten mit der Situation überfordert. Häufig fragen sie sich: Warum haben wir denn nichts bemerkt? Warum hat sich unser Kind uns nicht schon früher anvertraut? Oder was kann ich tun, um mein Kind zu unterstützen?

Glauben - nicht ausfragen!

Kinder, die von einem Verwandten, Bekannten oder Fremden sexuelle Gewalt erfahren haben, wurden mit großer Wahrscheinlichkeit bedroht und eingeschüchtert. Wenn sich Ihr Kind Ihnen anvertraut, sollten Sie ihm in erster Linie glauben und es ernst nehmen - auch wenn das Gesagte noch so „unglaublich“ erscheint. Gleichzeitig ist es wichtig, darauf zu achten, dass Sie sich dabei nicht im Erfragen von Details zu der Tat/den Taten verlieren. Sie sollten sich möglichst auf das konzentrieren, was das Kind zu schildern bereit ist1.

Sicherheit herstellen - keinen Schritt ohne das Kind

Um Ihre Tochter/Ihren Sohn vor weiteren Übergriffen zu schützen, ist es notwendig, äußere Sicherheit herzustellen. So können Sie beispielsweise sicherstellen, dass Ihr Kind keinen weiteren Kontakt zum Täter hat. Gleichzeitig signalisieren Sie, dass Sie als Unterstützungsperson für das Kind da sind. Gehen Sie bei diesen Schritten nicht übereilt vor! Fragen Sie Ihr Kind, was es möchte. Versprechen Sie nichts, was Sie nicht einhalten können. Wenn ein Kind sexuelle Gewalterfahrungen machen musste, wurden dabei seine Grenzen verletzt. Wenn Sie geplant vorgehen und das Kind in Ihre Überlegungen mit einbeziehen, zeigen Sie, dass Sie seine Grenzen respektieren. Machen Sie aber gleichzeitig auch deutlich, dass die Verantwortung beim Täter allein liegt und dass Ihr Kind an dem, was passiert ist, keine Schuld trägt.

Sich professionelle Hilfe suchen

Eltern, deren Kind sexuelle Übergriffe erfahren hat, befinden sich meist in einer schwer aushaltbaren Situation. Einerseits sind sie in ihrer Position als Bezugs- und Unterstützungsperson gefordert alles zu tun, um weitere Gefahren von ihrem Kind fernzuhalten, andererseits werden sie oft von den eigenen Gefühlen überwältigt. Sie sind es auch, die mit den auftretenden Folgen an die Taten erinnert werden und gleichzeitig ihrem Kind bei der Bewältigung der Gewalttaten bestmöglich beistehen möchten. Sie dürfen sich Hilfe holen! Um mit den eigenen Emotionen gut umgehen zu können, die Verhaltensweisen Ihres Kindes besser zu verstehen oder zu besprechen, ob eine Strafanzeige sinnvoll ist etc., können Sie sich fachliche Unterstützung suchen. In unserer Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt können Sie sich als Eltern in einem geschützten Rahmen informieren und beraten lassen. Denn es gilt: Gestärkte Mütter und Väter, die gut für sich selbst sorgen, können auch gut für ihr Kind sorgen!

Natürlich können Sie sich auch dahingehend beraten lassen, ob eine fachliche Begleitung/Therapie für Ihr Kind sinnvoll wäre. Wildwasser Magdeburg e.V. bietet in diesem Rahmen Spieltherapie für Kinder und Jugendliche von 4 bis 12 Jahren an.

Wie kann ich meine Freundin unterstützen?

Das Bekannt werden, dass die eigene Freundin sexuelle Gewalterfahrungen machen musste, ist meist ein Schock und löst nicht selten Erschütterung oder Hilflosigkeit aus. Manchmal sind damit auch starke Gefühle von Wut und Rache verbunden. Viele Menschen können es zunächst nicht glauben und fragen sich, warum sie (so lange) nichts bemerkt haben. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Häufig ist es die Scham der Betroffenen, über die Gewalttaten zu sprechen, die Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird und manchmal spielt die weit verbreitete Vorstellung der Gesellschaft, dass Opfer ein „typisches Verhalten“ zeigen würden, eine Rolle. Viele Menschen tragen das Vorurteil in sich, Betroffene sexueller Gewalt ziehen sich zurück und sind oft traurig.

Keine detaillierten Schilderungen anregen!

Wenn sich Ihre Freundin Ihnen anvertraut hat, schenken Sie ihr Aufmerksamkeit und Trost. Drängen Sie sie allerdings nicht, von Einzelheiten der Tat zu erzählen bzw. stoppen Sie Ihre Freundin, wenn Sie beginnt, ausführlich zu berichten! Ein intensives Erinnern und wiederholtes „Darüber-Reden“ kann dazu führen, dass sich Folgen verschlimmern4.

Sicherheit geben!

Helfen Sie Ihrer Freundin dabei, sich angenommen und gut aufgehoben zu fühlen. Besprechen Sie mit ihr Wege und Möglichkeiten, die dazu beitragen, dass sie sich sicher fühlt und sich selbst Gutes tut. Wenn sie nicht beabsichtigt, den Täter anzuzeigen, drängen Sie sie nicht, auch wenn das schwer auszuhalten ist. Zeigen Sie, dass Sie für sie da sind und achten Sie ihre Grenzen.

Sich selbst Hilfe holen!

Die Tatsache, dass einer vertrauten Person Gewalt widerfahren ist, löst oft intensive Gefühle aus. Finden Sie einen Weg mit diesen Emotionen umzugehen. Auch Sie dürfen sich fachliche Hilfe suchen! Es kann außerdem sinnvoll sein, Informationen zur Thematik „sexuelle Gewalt“ zu erhalten oder individuelle Probleme mit einer/m BeraterIn zu besprechen, beispielsweise: Wie gehe ich damit um, wenn sich meine Freundin niedergeschlagen fühlt? Was tue ich, wenn sie von Erinnerungsbildern geplagt wird und nachts schlecht schlafen kann? In unserer Beratungsstelle können Sie sich als Bezugsperson informieren oder auch als Einzelperson Unterstützung holen5.

 

[1] Enders, U. (Hrsg.) (2003). Zart war ich, bitter war’s. Handbuch gegen sexuellen Missbrauch. Köln: Kiepenheuer & Witsch.

[2] Elliot, A. N. & Carnes, C. N. (2001). Reactions of no offending parents to the sexual abuse of their child: A review of the literature. Child Maltreatment: Journal of the American Professional Society on the Abuse  Of Children, 6, 314-331.

[3] Reddemann, L. & Dehner-Rau, C. (2006). Trauma. Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen. Stuttgart: Trias.

[4] Huber, M. (2003). Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung, Teil1. Paderborn: Junfermann.

[5] Wildwasser Magdeburg e.V. (2008). Jahresbericht 2008. Magdeburg: Eigendruck.

Wildwasser Magdeburg e.V.

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"Der Missbrauch mit dem Missbrauch - Alternative Informationen zu Vergewaltigungsmythen"

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